Best Practices für (regionale) Kreisläufe von Kunststoffen und anderen (Abfall-)Stoffströmen

Im Folgenden wurden Best Practices für (regionale) Kreisläufe für Kunststoffe und andere (Abfall-)Stoffströme mit Übertragungsmöglichkeiten auf die Region Augsburg und das Projekt reGIOcycle zusammengetragen:

Mehrweg und Wiederverwendung

Mehrweg in Augsburg

Lösungsansatz/Besonderheit: In Augsburg sind bereits mehrere Mehrweganbieter für den Außerhausverzehr etabliert bzw. am Markt präsent (bspw. Vytal, ReBowl/ReCup, Tiffin/Boxbote). Bislang fokussieren sich diese v.a. auf Heißgetränke und zuletzt auch vermehrt auf Essensbehältnisse. Insgesamt ist eine wachsende Anzahl unterschiedlicher Mehrwegsysteme in Deutschland zu beobachten.

Ansatzpunkte für Augsburg/reGIOcycle: Um die Rückgabe für die Konsument*innen zu erleichtern, wird im Rahmen von reGIOcycle eine einheitliche, stadtweite Mehrweglösung für Kaltgetränkebecher angestrebt.

Weitere Informationen: n/a

 

FairCup – automatengängige Mehrweglösung

Lösungsansatz/Besonderheit: FairCup ist 2017 in Göttingen als Schüler*innenprojekt gestartet und hat sich mittlerweile zu einem überregionalen Mehrwegsystemanbieter entwickelt. Die Kaffeebecher inkl. Deckel sowie die FairBox sind zertifiziert für die Rückgabe an Pfandflaschenautomaten, etwa in Supermärkten. Darüber hinaus tragen FairCup-Produkte den Blauen Engel.

Ansatzpunkte für Augsburg/reGIOcycle: Die Rückgabe über Pfandautomaten erleichtert den Umgang mit den Mehrwegbehältnissen für die Verbraucher*innen erheblich. Pfandautomatengängigkeit könnte ein Kriterium bei der Entwicklung eines Augsburger Mehrwegsystems sein. Durch die bestehende Marktdurchdringung von ReCup in Augsburg steht FairCup jedoch in direkter Konkurrenz zu ReCup.

Weitere Informationen: https://fair-cup.de

 

Berliner Mehrwegkiste

Lösungsansatz/Besonderheit: Kostenfreier Verleih von Mehrweggefäßen in verschiedenen Größen und für unterschiedliche Speisen (Suppe, Salat, einfaches Hauptgericht, Pizza) für Unternehmen, Vereine, Bildungseinrichtungen etc. in Berlin (durch Fördermittel finanziert). Die Gefäße werden in einer Holzkiste mit Projektlogo geliefert. Auch in Wien wird das System bereits getestet.

Ansatzpunkte für Augsburg/reGIOcycle: Großes Übertragbarkeitspotenzial, einfach umzusetzen (sofern eine Finanzierung möglich ist). Synergien mit Plasteco.

Weitere Informationen: https://www.esseninmehrweg.de/mehrwegkiste/

 

Halle 2 - Gebrauchtwarenkaufhaus der Stadt München

Lösungsansatz/Besonderheit: In Halle 2 werden Gegenstände verkauft, die an den Wertstoffhöfen entgegengenommen bzw. dort aussortiert werden. Elektronische Geräte werden auf Sicherheit und Funktion geprüft und mit einem Prüfbericht versehen.

Ansatzpunkte für Augsburg/reGIOcycle: Verschiedene Quellen lassen verlauten, dass der Betrieb der Halle 2 nicht wirtschaftlich darstellbar sei. Eine mögliche Übertragbarkeit auf Augsburg bzw. die Landkreise müsste durch die Abfallwirtschaftsbetriebe geprüft werden. Besonders kritische Fragen sind hier sicherlich der Beginn der Abfalleigenschaft bzw. die Einstufung als Vorbereitung zur Wiederverwendung und der Aufwand, der mit der Prüfung der Geräte/Produkte und dem Betrieb eines solchen Gebrauchtwarenkaufhaus verbunden ist.

Weitere Informationen: https://www.awm-muenchen.de/abfallvermeidung/verschenken-verkaufen-mehr/halle-2.html

Recycling und Rezyklateinsatz

Regionaler Kreislauf für Joghurtbecher aus rPET

Lösungsansatz/Besonderheit: Starlinger Viscotec, PET-MAN und der Biohof Zauner (Österreich) haben den ersten weißen Joghurtbecher aus 100% rPET entwickelt, der nach seiner Verwendung recycelt und wieder zu einem Joghurtbecher verarbeitet werden kann. Die Erfassung/Rücknahme erfolgt an Wertstoffhöfen und in Supermärkten in der Region.

Ansatzpunkte für Augsburg/reGIOcycle: Der Joghurtbecher ist ein gutes Beispiel dafür, dass – bei sortenreiner Erfassung – auch ein hochwertiges Recycling bzw. der Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten im Lebensmittelbereich möglich ist. Noch handelt es sich um eine Insellösung, doch könnte diese auf weitere Bereiche mit ähnlichen Produkten im Raum Augsburg (z.B. die Biobauernhöfe der Region) übertagen werden. In einem ersten Schritt könnte das Beispiel aus Österreich in einem Workshop oder bei einem Webinar interessierten Unternehmen präsentiert werden und anschließend in Kooperation mit einem regionalen Recycler und Verpackungshersteller eine Augsburg-spezifische Lösunge erarbeitet werden.

Weitere Informationen: https://biohof-zauner.at/rpet-verpackung/, https://www.viscotec.at/visconews-successful-partnerships-and-more/details/organic-yoghurts-in-sustainable-rpet-cups/

 

Hamburgs Wertstoff Innovative

Lösungsansatz/Besonderheit: Die Hamburger Drogeriekette BUDNI verkauft Waschmittel der Unilever-Marke „Sieben Generationen“ - verpackt in einer Flasche, die zu 100 % aus recyceltem Kunststoff aus der Hamburger Wertstofftonne/dem gelben Sack besteht.

Ansatzpunkte für Augsburg/reGIOcycle: Im Rahmen der Stakeholderanalyse könnten Unternehmen in der Region (Hersteller von Reinigungsmitteln, Verpackungshersteller, Recycler, Einzelhandel) identifiziert werden, mit denen gemeinsam – unter Einbeziehung des AZV und des regionalen Dualen Systembetreibers – bei einem Workshop ein solcher regionaler Kreislauf skizziert und durchdacht wird. Inwiefern eine Umsetzung tatsächlich in Frage kommt, ist Gegenstand weiterer (wirtschaftlicher) Überlegungen.

Weitere Informationen: https://hamburgs-wertstoff-innovative.de/

 

Plattformen

CirPlus – Online-Plattform für Kunststoffhandel

Lösungsansatz/Besonderheit: CirPlus ist eine globale Online-Handelsplattform für die gesamte Wertschöpfungskette von Kunststoffen (Entsorger, Recycler, Verarbeiter) und arbeitet im Bereich Standardisierung mit dem DIN e.V. zusammen. Darüber hinaus können bis zu 30 Unternehmen am Pilotprojekt teilnehmen und somit die Plattform weiter- bzw. mitentwickeln.

Ansatzpunkte für Augsburg/reGIOcycle: Interessierte Unternehmen aus der Projektregion könnten als Pilotkunden teilnehmen und darüber Einfluss auf die Gestaltung der Plattform nehmen und damit Wettbewerbsvorteile erzielen. Der Kontakt könnte über reGIOcycle und die Partner (z.B. A3) hergestellt werden.

Weitere Informationen: https://www.cirplus.com

 

Recita – regionales Circular Economy-Netzwerk

Lösungsansatz/Besonderheit: Recita ist ein öffentlich gefördertes, regionales Circular Economy-Netzwerk in der französischen Region Nouvelle-Aquitaine (Réseau d’Economie Circulaire et d’Innovation de Nouvelle-Aquitaine). In einem interaktiven und partizipativen Ansatz können sich Unternehmen, NGOs und Bürgerinitiativen vorstellen und vernetzen, Knowhow teilen und gemeinsam Projekte planen. Darüber hinaus werden Informationen zu Förderprogrammen, Events u.a. Informationen im Bereich Circular Economy geteilt. Derzeit sind >1.200 Mitglieder gelistet.

Ansatzpunkte für Augsburg/reGIOcycle: Im Rahmen des Projektes könnte geprüft werden, inwiefern in der Region um Augsburg Bedarf und Interesse an einer solchen Vernetzung besteht und wer potenzielle Fördermittelgeber sein könnten. Auch könnte eine Bestandsaufnahme existierender Plattformen in der Region und darüber hinaus erfolgen, um den Bedarf zu ermitteln. Eine besondere Herausforderung liegt erfahrungsgemäß immer in der Aktivierung der Mitglieder – hier wäre ein Austausch mit den Initiator*innen von Recita hilfreich.

Weitere Informationen: https://www.recita.org

(Bildquelle: Pixabay)

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